Rennbericht von Harald Kögel zum Ironman 70.3 Zell am See
Das Einchecken in die Wechselzone war schon mal ein Highlight. Kein Anstehen und ein äusserst freundlicher Helfer, der mich bis an meinen Bike-Platz begleitete und mir in aller Ruhe die Laufwege erklärte. Alles im richtigen Sack am richtigen Ort, es konnte losgehen. Geschlafen hätte ich eigentlich gut, wär da nicht der Regen gewesen, der auf unser Wohnmobil trommelte. Das Wetter hat in der Nacht wie angekündigt umgeschlagen und es wurde deutlich kühler. Eine dicke Wolkendecke mit Nebelschwaden aber noch kein Regen begleitete uns zur Wechselzone.
Dort angekommen, bekam ich zur Begrüssung schon mal nasse Füsse, da der Regen über Nacht den Fussballplatz, auf dem unsere Räder standen, so richtig unter Wasser setzte. Das mit den nassen Füssen sollte sich bis zum Ende des Wettkampfes auch nicht mehr ändern. Mit der zweiten Welle bin ich völlig entspannt im warmen Zeller See meine Runde geschwommen. Einzig die immer wieder beschlagene Schwimmbrille zwang mich zu einigen kurzen Stopps zwecks Orientierung. Kaum auf dem Rad, begann es auch schon zu regnen. Macht nichts, dachte ich, denn ich merkte gleich nach wenigen Kurbelumdrehungen, dass meine Beine heute zu einigem bereit waren! Die 740 Höhenmeter merkte ich kaum.
Einzig die zum Teil sehr schlechten Strassen, sowie die vielen Richtungsänderungen und unzähligen Schachtdeckel, Strassenmarkierungen und Kopfsteinpflaster verlangten vollste Konzentration um nicht zu stürzen. Das Verpflegen wurde langsam schwierig, da die Feinmotorik mit meinen klammen Fingern etwas nachlies. Ich bin immer ohne Pulser und Radcomputer unterwegs und stoppe auch keine Abschnittszeiten. Aber ich wusste nach den beiden Bike-Runden: das wird was! Völlig durchnässt schob ich mein Rad in den Rechen. Die Helferin im Wechselzelt war der Hammer: Schuhe hingestellt, frische Socken schön nach links und rechts sortiert und die nassen Klamotten in den Sack gepackt. Noch schnell aufs WC (hätte ich schon lange gemusst). Schnell ist gut – es dauerte eine Ewigkeit! Dafür um einiges leichter und mit immer noch willigen Beinen auf die Laufstrecke. Nur nicht den Fehler von Zürich machen und in der Euphorie zu schnell angehen, musste ich mir immer wieder zureden. Zuerst liefen wir ca. 2km von der Wechselzone bis nach Zell am See.
Im Dorf führte die Strecke im Zickzack durch die Gassen und dann dem See entlang bis zum Wendepunkt, der sich direkt vor unserem Camping Platz befand. Es lief. Ich lief, und vor allem: ich lief immer noch einen angenehmen Rhythmus. An dieser Stelle möchte ich mal Helen, meinen Superfan, würdigen. Sie stand nun schon den ganzen Tag im Regen an der Strecke um mich anzufeuern. Danke für dein Verständnis und deine wertvolle Unterstützung. Nach drei Runden und ohne einen Schritt zu gehen, durfte ich in den engen Gassen von Zell am See links Richtung Ziel abbiegen! Überglücklich genoss ich die letzten Meter. Und da stand sie schon wieder, mit einem Schweizerfähnli wild fuchtelnd. Dieses habe ich gepackt und über die Finisher-Line getragen. Mein erklärtes Ziel war es, mit einem guten Gefühl das Rennen zu beenden. Roy hatte mir letzten Herbst eine Endzeit auf meinen Trainingsplan geschrieben. Mit dieser wäre ich schon mega zufrieden gewesen. Nun war ich noch 12 min. schneller!
Mit Roys Plänen gelang mir letztes Jahr ein cooler Ironman in Zürich und nun dieses super schöne Erlebnis in Zell am See. Danke Roy! Nach dem Rennen musste ich zu Fuss noch mal die ca. 2km zurück in die Wechselzone um auszuchecken. Mit drei Säcken voll nassem Triathlonzeugs auf dem Lenker fuhr ich mega glücklich zum Campingplatz. Übrigens schon wieder mit nassen Füssen, da das Rad ja immer noch in einem “Teich” stand. Das Schnitzel und das Bier am Abend schmeckten vorzüglich!!


